
Open Source
Warum rückt gerade für uns Europäer Open Source immer mehr in den Vordergrund? Was steckt dahinter?
Open Source ist nicht nur die Kontrolle über den Quellcode zu erlangen, es ist vielmehr eine Philosophie, die uns Unabhängigkeit und Flexibilität verschafft. Es bietet uns die Möglichkeit, sich schrittweise von den inzwischen sehr mächtigen IT-Firmen zu lösen und die langfristigen Abhängigkeiten von diesen Unternehmen und politischen Strömungen zu reduzieren. Inzwischen wird sogar Software und Plattformen als Druckmittel von Staaten eingesetzt. Als Europäer haben wir aktuell nicht viel entgegen zu setzen. Ein Umdenken hat allerdings schon seit einigen Jahren in den "höheren Ebenen" begonnen und wird in unserer Gesellschaft immer stärker diskutiert: Open Source.
Dabei ist die Open Source Bewegung nicht neu! Sie hat ihre Wurzeln in der Do-it-yourself- und Hacker-Bewegung seit der 1960/1970er Jahre.
Wenn wir allgemein von Open Source sprechen, dann sprechen wir meist von Lizenzregelungen, in denen die Software beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden darf. Es gibt folglich keine Nutungseinschränkungen in der Anzahl der Installationen und Nutzer und auch keine Zahlungsverpflichtungen in Bezug auf Lizenzgebühren. Die Nutzung der Software kann allerdings auch an Bedingungen geknüpft sein. So kann bestimmt werden, dass Änderungen am Quellcode wieder veröffentlicht werden muss.
Der Begriff Open Source hat allerdings viele Fassetten und es gibt weitere Begriffe wie "Freie Software" und "Public Domain Software", die oft als Synonyme verwendet werden, obwohl es signifikante Unterschiede gibt.
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Wenn wir von Unabhängigkeit, Flexibilität und Freiheit sprechen, dann ist man stärker in der Verantwortung. Man muss vielmehr selbst sicherstellen, dass die Open Source Software regelmäßig gewartet wird, um keine veralteten Software-Bibliotheken mit Sicherheitslücken zu übersehen.
Dabei helfen starke Open Source Communities, die durch Innovationskraft und Engagement aktive Projekte "am Leben erhalten" und in kurzen Zyklen Fehler beseitigen.
Diese Innovationskraft übertrifft oft Entwicklungszyklen von Firmen mit proprietärer Software (Closed Source). Bestes Beispiel ist hier Linux zu nennen.
Ebenfalls zu bedenken: Viele Closed Source Programme nutzen als Basis Open Source Libraries.
Dabei zeigt sich, dass Open Source auch ein erfolgreiches Geschäftsmodell für Firmen sein kann. Außerdem setzen Firmen wie Google, Microsoft und Meta auf Open Source gezielt als Strategie, um schneller ihre eigenen Technologien voranzutreiben.
Nachdem Microsoft durch seine Produkte die Open Source Lösung Linux auf dem Markt nicht verdrängen konnte, erfolgte ein Strategiewechsel. Dabei sollte aber immer im Hinterkopf behalten werden, dass Microsoft weiterhin das Ziel hat, Linux zu verdrängen. Sie haben nur ihre Taktik geändert.
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Open Source kann für uns Europäer ein sehr großer Gewinn sein. Inzwischen hat dies auch teilweise die deutsche Regierung erkannt und diesbezügliche Initiativen gestartet. So gibt es die ZenDiS-Webseite der Bundesrepublik Deutschland, die mit "Gemeinsam. Digital. Souverän." wirbt, um Kontrollverlust zu begegnen. Die Plattform openCode als Produkt von ZenDiS, die Möglichkeiten von Open Source für die Verwaltung zu präsentieren.
Damit das Gegensteuern wirklich gelingt, bedarf es großen Anstrengungen und einen starken Willen. Und dann gibt es noch das Problem bei Cloud-Produkten, in welchen deutschen Rechenzentren sie laufen sollen! Die digitale Souveränität Deutschlands wird ja nicht gefördert, wenn am Ende Rechenzentren von US-Konzernen eingesetzt werden, auch wenn sie in Europa stehen.
Ein weiterer Aspekt: Aktuell scheint unsere Arbeitswelt sich wieder einmal stark zu transformieren und damit zu revolutionieren. Ich betrachte dabei die Entwicklungen im KI-Sektor. Immer mehr drängen KI-Funktionen in unsere Arbeits- und Privatwelt. Noch sind die Abhängigkeiten von großen Tech-Konzernen extrem hoch. Auch hier wäre Europa gut beraten, mehr und eigenständig zu investieren.
Gerade KI-Anwendungen benötigt viel Rechenleistung und damit Strom und Kühlung. Die deutschen Stromnetze sind aber bisher dafür in weiten Teilen nicht ausgelegt. Was hat KI mit Open Source zu tun? Weil es auch hier entsprechende Möglichkeiten gäbe, im großen Stil eigene Open Source LLMs ohne Lizenzkosten zu hosten.
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Betrachten wir einmal den Bereich "Gebäudedigitalisierung, Smart Home" in Bezug auf Open Source. Warum kann es sinnvoll sein, auf Open Source zu setzen?
Es geht auch hier wieder um digitale Unabhängigkeit, um Datenschutz, um Zukunftssicherheit, aber auch um Reduzierung der Software-Kosten.
Gerade in sozialen Einrichtungen ist das Budget knapp oder bestimmte Gelder sind nur zweckgebunden auszugeben.
Allerdings muss hier digital sehr stark aufgeholt werden. Meist ist dies mit knappen finanziellen Ressourcen und mit Fördermitteln kaum zu stemmen. Außerdem fehlt sehr oft digitale Fachkompetenz - ein ganz entscheidender Faktor. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Es benötigt auch eine starke Vision.
Teilweise haben sich inzwischen Open Source Lösungen etabliert, die weit über kommerzielle Produkte hinausgehen. Zu einem Paradebeispiel im Bereich Smart Home hat sich Home Assistant entwickelt. Kaum ein anderes Community-Projekt hat sich in den letzten Jahren so rasant entwickelt, wie dieses System. Es ist inzwischen schon fast zum Quasi-Standard geworden. Dies merkt man auch bei Herstellerfirmen von smarten Hardware-Produkten: Kaum eine Firma wirbt nicht mit der Kompatibilitätszusage zu dieser Smart Home Software. Firmen wie Apple oder Google tun sich schwer, mit der Innovationskraft und Geschwindigkeit dieses Open Source Projekts und seinen Erweiterungen mitzuhalten. Kein Wunder. Dahinter steckt auch eine unglaubliche Anzahl von Personen einer Community, die fleißig neue Geräte und Funktionen integrieren, sobald sie auf dem Markt gelangen.
Auch an Integrationen von anderen Open Source Projekten wie EVCC (eAuto), Wärmepumpen und Energiemanagement-Systemen, um nur einige zu nennen, wird stetig gearbeitet.
Dieser Spirit und Innovationsgeist durchdingt langsam auch die Gebäudedigitalisierung, da die früheren Grenzen durch immer höhere Leistungen von Hard- und Software zunehmend verschwinden. Dies bedarf allerdings einer sehr guten ausgeklügelten Planung bei großen Gebäudeprojekten.
Der Einsatz von Open Source kann folglich die richtige Wahl sein, wenn die eigene Kontrolle über die eingesetzte Technik wichtig ist, Datenschutz ein wichtiger Aspekt darstellt, neue Technologien schnell integriert werden sollen und offene Schnittstellen ein Muss sind.
Unser Rat: Setzen Sie, wo immer es geht, nicht auf Insellösungen! Versuchen Sie immer eine Lösung zu finden, die alle Komponenten miteinander vernetzen, um einen starken Mehrwert zu generieren. Nutzen Sie Synergieeffekte.